36 Was bleibt

Ja, was bleibt eigentlich, wenn ein Mensch geht? Hast du dir darüber schon mal Gedanken gemacht? Was hinterlässt du, wenn du deinen Körper verlässt und nach Hause gehst?

Klar, es werden sich deine Liebsten an dich erinnern. Und so du dich vermehrt hast, hinterlässt du auch genetisch eine Signatur bis in Generationen hinein, in denen du vielleicht längst wieder hier bist. Und sonst?

Ich frage mich immer wieder mal, ob, wenn ich mal gehe, die Welt ein kleines bisschen besser geworden ist, als sie es ohne mich gewesen wäre. Einfach, weil ich da war. Ob ich andere wirklich inspirieren konnte, sich zu erinnern, sich selbst gut zu tun und andern … und so ein besseres Leben zu führen einfach, weil sie sich in ihrem Leben wohler fühlen. Einen Unterschied machen .. das ist es, glaub ich, worum es geht.

Eine Idee, mit dem Tod von geliebten Menschen umzugehen, die mir schon häufiger “unter gekommen” ist, ist die: Man erinnert sich ja, wenn einer geht, gern an das, was einen an diesem Menschen besonders inspiriert hat, oder beeindruckt, was man vielleicht sogar bewundert hat oder was einem besonders gut getan hat. Eine Eigenschaft, eine Geste, ein wasauchimmer, das deine Welt etwas besser gemacht hat. Und dann sucht man sich eins davon aus, das man dem Menschen zu Ehren, den man gerade verabschiedet hat, in sich weiter leben lässt. Wenn das jeder von uns macht, werden wir alle schon allein dadurch bessere Menschen und wir ehren unsere Ahnen und Liebsten. auf eine sehr liebevolle Weise, wie ich finde.

Eine meiner längsten Freundinnen hat vor ein paar Tagen ihren Vater Nono aus diesem Leben verabschiedet. Ich kannte ihn und ich mochte ihn sehr – war er mir doch in Zeiten in meinem Leben, als meine beiden Väter nicht Väter sein konnten oder durften, eine Vaterfigur und ich bin besagter Freundin sehr dankbar, dass sie ihn in dieser für mich sehr schwierigen Zeit, in der ich viel Halt brauchte, immer mal mit mir “geteilt” hat.

Ich bin nicht der konventionellste Mensch und mit dem Meisten, was mich umtreibt, gehe ich eher extrovertiert um. Das ist nicht jedermanns Sache … Nono hat das nicht nur gut verstanden, ich hab ihn auch ähnlich erlebt. Wir haben uns gesehen und mochten uns sofort leiden. Von ihm habe ich eine der wichtigsten Lektionen in meinem Leben gelernt, wie wichtig, das habe ich erst Jahre später begriffen. Er hat mir mal gesagt:

Du kannst jede Regel brechen und deinen Weg gehen, wie DU ihn gehen willst. Scheiß auf alle Regeln! Wenn du sie nicht befolgen willst, ok. ABER du musst sie kennen. Du kannst sie nur dann brechen und dein Ding machen, wenn du weißt, wogegen du rebellierst und wie der ganze Scheiß eigentlich funktioniert. Weil dann kannst du sie nämlich auch für dich nutzen und nur dann bist du frei.”

Ich bin später in meinem Leben noch anderen Menschen begegnet, die das auch leben (und mich immer wieder daran erinnert haben). Und je besser sie die Regeln kannten, umso besser konnten sie mitspielen. … dass Rebellion auch eine Form von mitspielen ist – zumindest würde ich das heute so behaupten – darüber hätte ich mich zu gern noch einmal mit ihm in einer nächtelang anhaltenden Diskussion ausgetauscht.

Jedenfalls waren meiner Beobachtung nach die am freiesten, die die Spielregeln kannten. Immer. Ausnahmslos. Ob sie sie befolgt haben, war nicht wichtig, nur, dass sie sie kannten.

Nono, je älter ich werde, umso mehr Dimensionen dieser Lektion erschließen sich mir. Ich danke dir! Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet. Und genau das werde ich weiter tragen. Und ich werde mich an deine Lebensfreude erinnern und an dein Lachen. Ich kann es immer noch hören 😊. Danke für dich und deine Art, mit dem Leben umzugehen. Und danke, dass du dein Töchterchen in die Welt gebracht und begleitet hast. Ohne sie wären wir uns wohl nie begegnet und ohne sie wäre ich ein anderer Mensch. Ich hoffe, du hast eine gute letzte Reise. Mögest du gut nach Hause kommen und im Frieden mit dir sein! Wir sehen uns wieder! Ich umarme dich, Suse

PS Ich bin überzeugt davon, dass wir alle nach Hause gehen und dort von uns selbst herzlich willkommen sind und geliebt – egal, wie unsere Rolle hier auf Erden aussah und ob wir im Frieden waren oder nicht. Solange wir unsern Weg dorthin zurück finden, ist alles gut. Möglicherweise drehen wir noch ein paar Runden und dem Einen oder Andern begegnen wir auch immer wieder. Und weil wir immer wieder kommen, glaube ich, dass es wichtig ist, dass wir jeweils das Beste in uns erblühen lassen, weil es genau das ist, was wir mit nach Hause nehmen und wieder mit auf die Erde bringen.

In diesem Sinne,
lasst euch von denen, die ihr liebtet und die schon gegangen sind, inspirieren und erinnert euch daran, wer ihr seid und sein wollt.

Liepst,
Zaza

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.